Neues Wohnen

Dirk Haas

Ruhr 2030 [...] Leichtes Wohnen: Wenn es auf lange Sicht kaum noch Sinn macht, zwischen den Standortqualitäten eines neuen Geschäftssitzes und denen eines neuen Wohnsitzes zu unterscheiden, weil sich deren Anforderungen bereits jetzt zu sehr ähneln, dann haben Städte und Regionen, in denen das Wohnen leichtfällt, beträchtliche Standortvorteile. Städte und Regionen, die sich auf merkliche Bevölkerungsverluste einstellen, die also absehbar mehr Raum (mehr Platz!) haben werden als die sogenannten prosperierenden Städte, werden es darüber hinaus sehr viel leichter haben, mit dem üblicherweise knappen Gut "Raum" etwas großzügiger werben zu können. Das leichte Wohnen im Möglichkeitsraum Ruhr hat dabei mehrere Dimensionen. [...]

[...] Wohnstandorte der Neunten Stadt sind also Wohnstandorte, die entweder über das übliche Repertoire kommunaler Wohnungsbaupolitik der einzelnen Ruhrgebietsstädte hinausführen ("Meta-Wohnstandorte"), oder die als in der Region bisher einzigartig, als echte Innovationen des Wohnens im Ruhrgebiet, gelten können.

Ruhr 2030 [...] Baukultur des Regionalen: Die Frage nach einem Ruhrgebietsdesign 2030, wie sie in der Vorhabensbeschreibung aufgeworfen wird, ist in vielerlei Hinsicht gekoppelt mit der Frage nach dem künftigem Selbstverständnis dieser Region. Idealerweise wäre ein Ruhrgebietsdesign also Ausdruck dieses (alten oder neuen) Selbstverständnisses, weil es die "richtigen" Attraktivitätsmerkmale, die "richtigen" Symbole regionaler Identität sichtbar zu machen oder gar zu entwerfen weiß. [...] Die diesen Identitätsentwürfen inhärenten Designstrategien werden vor allem in den prominenten Räumen dieser Region, den regionalen Identitätsräumen sichtbar werden. Wenn es also regional bedeutsame Wohnstandorte der Neunten Stadt gibt, dann werden sich auch dort die sehr unterschiedlichen Strategien einer künftigen regionalen Baukultur (besser: Baukultur des Regionalen) manifestieren.

Ruhr 2030 [...] Transnationale Heimaten: Weil ethnische und kulturelle Vielfalt heute und in Zukunft im Zuge demographischer Veränderungsprozesse mehr oder minder als Selbstverständlichkeit gelten kann, macht das Vorhandensein transnationaler Heimaten an sich diese Region noch nicht zum Möglichkeitsraum. Notwendig aber sind sie - angesichts der Gewißheit, daß Globalisierung eben nicht Ortlosigkeit, nicht Bindungslosigkeit meint - in jedem Fall. Es ist wohl eher die Art des Umgangs mit den mitunter sehr unterschiedlichen ethnisch oder kulturell verfaßten Heimaten, den Wohnbedürfnissen, Wohnformen und Lebensstilen, die aus ihrem bloßen Nebeneinander, das in der Tat im Ruhrgebiet sehr gut gelingt, jene soziale Landschaften formt, in denen Bekanntes auf Unbekanntes trifft und daraus Neues entstehen kann: Liminale Landschaften also - bzw. Frontiers, wie sie im Forschungsansatz des Leitbildvorhabens als angloamerikanische Referenz des Möglichkeitsraums entwickelt werden.


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