Vorhersagen über die Städteregion Ruhr

Der Stadtregionale Kontrakt, durch den die Städteregion Ruhr zur regional- und kommunalpolitischen Tatsache wird, zieht den Schlußstrich unter eine bemerkenswerte Forschungsarbeit. Die finanzielle Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen hat den Verbundpartnern einen mentalen Möglichkeitsraum eröffnet. Rund achtzehn Monate dauerte die Vorbereitung, genau achtzehn Monate die Durchführung des Leitbildvorhabens "Städteregion Ruhr 2030". Die für ein Forschungsvorhaben relativ kurze Laufzeit konnte vor allem wegen des intensiven Engagements der zahlreichen Städtevertreterinnen und Städtevertreter bestmöglich genutzt werden. Das Engagement dieser Pionierinnen und Pioniere der Städteregion Ruhr war unverzichtbar. Anders als bei vielen Forschungsprojekten waren die Städte nämlich nicht Auftraggeber oder Forschungsobjekte, sondern Verbundpartnerinnen der Fakultät Raumplanung der Universität Dortmund. Und so kam es, daß die beteiligten Städte selbst wesentlich zur Konzeption, Organisation, Durchführung und Auswertung der vier großen Ankerveranstaltungen und der Leitbildmesse beitragen mußten und beigetragen haben. Dadurch haben die Städte bewiesen, daß Kooperation und Eigensinn zu beachtlichen Resultaten in der stadtregionalen Zusammenarbeit führt. Ich möchte dies als empirisch abgesicherten Befund des Forschungsvorhabens hervorheben: "Städteregion Ruhr 2030" ist kein Projekt, daß zeigt, wie Kooperation zwischen den Ruhrgebietsstädten möglich sein könnte, sondern ein Projekt, daß gezeigt hat, daß Kooperation zwischen den Ruhrgebietsstädten tatsächlich funktioniert!

Der Befund ist eigentlich nicht erstaunlich. Es gibt viele Beispiele für erfolgreiche Kooperation im Ruhrgebiet. Umgekehrt lassen sich allerdings auch Beispiele nennen, wo eine notwendige und für alle Beteiligten sinnvolle Zusammenarbeit nicht funktioniert hat. "Städteregion Ruhr 2030" hat die Voraussetzungen für erfolgreiche Kooperation untersucht und dabei wichtige Erkenntnisse erbracht, von denen ich vier als Vorhersagen über die Zukunft der Städteregion Ruhr hervorheben möchte:

  1. Die Kooperation innerhalb der Städteregion Ruhr wird funktionieren, wenn sich die beteiligten Städte immer wieder darüber austauschen, welchen Nutzen sie für die anderen Kooperationspartnerinnen stiften und welchen Nutzen sie von den anderen Kooperationspartnerinnen erwarten: Kooperation ist keine Pflichtübung, sondern dient der wechselseitigen Verschaffung von Vorteilen.
  2. Die Kooperation innerhalb der Städteregion Ruhr wird funktionieren, wenn die bemerkenswerten Potentiale der Menschen in den Ruhrgebietsstädten anerkannt, entwickelt und genutzt werden: In der Praxis kooperieren nicht Städte, sondern Menschen.
  3. Die Kooperation innerhalb der Städteregion Ruhr wird funktionieren, wenn sich die Städte wechselseitig genügend Spielräume für Eigensinn und eigene Entwicklungskonzepte zugestehen - und gleichzeitig durch einen flexiblen Umgang mit Grenzen die verstärkte Zusammenarbeit im gemeinsamen Interesse voranbringen: Kooperation dient nicht der Gleichmachung, sondern der Nutzung von Unterschieden.
  4. Die Kooperation innerhalb der Städteregion Ruhr wird funktionieren, wenn die Vorteile einer Zusammenarbeit mittel- bis langfristig bewußt dafür eingesetzt werden, den Aufwand für das Alltagsgeschäft zu reduzieren: Themenorientierte Zusammenarbeit ist nur sinnvoll, wo es nicht um zusätzliche, sondern um die eigentliche Aufgabenerfüllung geht.
Meine Vorhersagen sind keine Ratschläge. Es sind vielmehr nachprüfbare Hypothesen, und ich freue mich, daß das Bundesministerium für Bildung und Forschung durch die zusätzliche Förderung einer Kooperationsstelle ermöglicht, diese Hypothesen im Wege der Implementationsforschung zu testen.


Stadtregionaler Kontrakt


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Städte im Naturzustand

Ein postmoderner Sozialkontrakt

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