Ein postmoderner Sozialkontrakt

Der Stadtregionale Kontrakt ist ein Gesellschaftsvertrag, der keine neuen Institutionen oder Organisationsformen schafft, sondern der ermüdenden Diskussion über die formale Organisation des Ruhrgebiets ausweicht. Es handelt sich - im besten Sinne des Wortes - um einen postmodernen Sozialkontrakt. Das hat einen einfachen Grund: Es gibt keine optimale formal-organisatorische Lösung für die Probleme des Ruhrgebiets, es gibt nur eine Vielzahl an Möglichkeiten und Chancen. Diese Chancen und Möglichkeiten können von den Städten und den Menschen, die hier leben oder leben wollen, genutzt werden, wenn sie zum Abenteuer einer flexiblen und projektorientierten Zusammenarbeit bereit sind. Weder die Neugliederung von Regierungsbezirken oder Stadtgebieten noch die Reform des Kommunalverbandes Ruhrgebiet könnten die Energie einer Regionalisierung durch Kooperation und Eigensinn aufbringen.

Das Motto des Forschungsverbundes "Städteregion Ruhr 2030" benennt Symbol und Potential einer verstärkten Zusammenarbeit der Ruhrgebietsstädte. Kooperation ist kein Selbstzweck, der Eigensinn der Städte kein Hindernis für diese Zusammenarbeit. Kooperation ist vielmehr ein Instrument, um stadtregionale Potentiale durch gemeinsame Anstrengungen besser nutzen zu können. Und Eigensinn, also die Fähigkeit und Bereitschaft zu eigenverantwortlichem und kreativem Handeln, ist die Erfolgsvoraussetzung für solche Anstrengungen.

Es ist irreführend, wenn Kooperation und Konkurrenz als Gegensätze bezeichnet werden. Im Gegenteil, eine produktive Konkurrenz bietet häufig die beste Gewähr dafür, daß Kooperation nicht zu einem langweiligen Stillhalten verkommt. Im übrigen ist Wettbewerb nur möglich, wenn sich alle Beteiligten an gewisse Spielregeln halten und darüber einig sind, um welches Spiel es eigentlich geht. Kooperation braucht Wettbewerb, und Wettbewerb braucht Kooperation. Dies hat bereits Adam Smith, der Vater der modernen Volkswirtschaftslehre, am Beispiel der Arbeitsteilung erläutert. In der Wirtschaft funktioniert die Arbeitsteilung nicht, weil die Beteiligten gutherzig wären, sondern weil eine fortdauernde Konkurrenz stattfindet. Was in der Wirtschaft selbstverständlich ist, gilt auch für das Verhältnis der Städte in der Städteregion Ruhr. In ihrer "Konkurrenz der Ideale" (Heinrich Hauser) geht es um die beste Lösung für gemeinsame Aufgaben, und es werden alle davon profitieren, daß "Kooperation und Eigensinn" zum Leitbild für das Ruhrgebiet wurde. Der Erfolg dieses Leitbildes und des Stadtregionalen Kontraktes, dies sei betont, ist nicht danach zu messen, wie liebenswürdig die Städte zueinander sind, sondern daran, daß die heute vereinbarten Leitprojekte umgesetzt werden.


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Stadtregionaler Kontrakt


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Stadtregionaler Kontrak

Städte im Naturzustand

Ein postmoderner Sozialkontrakt

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