Seit dem 17. Jahrhundert beschäftigten sich die Staatswissenschaften und politische Philosophie mit dem Spannungsverhältnis zwischen dem persönlichen und dem allgemeinen Besten: Weshalb schließen sich Akteure, die im Naturzustand frei und ungebunden sind, zu staatlichen Gemeinwesen zusammen? Die Antworten auf diese Frage fielen im Laufe der Jahrhunderte unterschiedlich aus. Thomas Hobbes begründete seinen "Leviathan" mit der angeborenen Schlechtigkeit der Menschen, die vor einem "Krieg aller gegen alle" geschützt werden müßten. John Locke nannte die Reizbarkeit und die drohende Eskalation von Selbstverteidigung gegenüber einem Provokateur als Motiv für die Staatsgründung. Jean-Jacques Rousseau erklärte die Entstehung von staatlichen Gemeinwesen mit der Verwundbarkeit und Verletzlichkeit jedes einzelnen Menschen, der auf sich allein gestellt schutzlos einer erbarmungslosen Natur ausgeliefert sei. Und Immanuel Kant verdanken wir die Erkenntnis, daß auch "ein Volk von Teufeln (wenn sie nur Verstand haben)" einen Staat einrichten würde, der die Einhaltung allgemeiner Gesetze garantiert, die für jeden einzelnen (mag er auch "insgeheim sich davon auszunehmen geneigt" sein) nützlich, ja überlebenswichtig sind.
Ein "Krieg aller gegen alle" ist nicht die beste Antwort auf diese Frage: In einer Welt voller Mißtrauen, Aggression und Gewalt gibt es keine Sieger. Die Gründung des Völkerbundes, der Vereinten Nationen oder der Europäischen Union sind Beispiele dafür, daß der "Gesellschaftsvertrag" oder "Sozialkontrakt" ein praktisch funktionsfähiges Modell für die Koordination und Kooperation eigensinniger Akteure bietet.
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