Kooperations- und Verhandlungstheorie

Dr. Ira Janzen und Kamilla Kanafa

Die zentralen theoretischen Grundlagen für den Impulsbeitrag bilden die Theorie der rationalen Kooperation, die verhandlungstheoretischen Ansätze des negotiated consensus building sowie das gesellschaftsvertragliche Modell des Schleiers des Nichtwissens.

    Ruhr 2030

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  • Das sozialwissenschaftliche Modell des Gefangenendilemmas und die Theorie der rationalen Kooperation Kommunen stehen aufgrund ihrer kommunalrechtlichen Verfaßtheit in unterschiedlichen

    Abhängigkeitsverhältnissen. Als gesetzesvollziehende Verwaltungseinheit stehen sie im letzten Glied der Kette staatlicher Verwaltungsebenen und bilden gleichzeitig eine weitere, hiervon unabhängige Ebene - die der kommunalen Selbstverwaltung. Prägend für die Abhängigkeiten der Kommunen in dieser vertikalen Struktur sind die rechtlichen Vorgaben, die kommunale Zuständigkeiten definieren sowie Weisungs- und Aufsichtsbefugnisse festgelegen. Eine andere Qualität weisen die Abhängigkeitsverhältnisse in der horizontalen Ebenen auf, dem Verhältnis zwischen den Kommunen - sie sind nicht rechtlich gesetzt, sondern räumlich bedingt. Dieses räumlich-funktionale Abhängigkeitsverhältnis wird zum Anlaß genommen, die Bedingungen für interkommunale Kooperation vor dem Hintergrund der Theorie der rationalen Kooperation unter besonderer Berücksichtigung des sozialwissenschaftlichen Modells des Gefangenendilemmas zu betrachten, in dem die wechselseitige Abhängigkeit Voraussetzung für Kooperation ist (Rapoport und Chammah 1965; Axelrod 1987).

  • Verhandlungstheoretische Ansätze des negotiated consensus building

    [...] Die für das Gefangenendilemma beschriebenen Bedingungen sind in vielen Kooperationen oft erst herzustellen oder zu erarbeiten. Dies betrifft insbesondere den Aspekt der Gewinnerwartung: Wie kann ein optimiertes Verhandlungsergebnis erzielt werden? Wann kann ein Verhandlungsergebnis als optimiert qualifiziert werden? Überaus bedeutsam für erfolgreiche Kooperation ist zudem der Verhandlungs- und Kooperationsprozeß selbst. In der Simulation des Gefangenendilemmas werden Interaktionen bewußt unterstellt, um die Komplexität der Verhandlungssituationen zu verringern. Soll sich die Untersuchung der Wahrscheinlichkeit kooperativen Verhaltens nicht in einer abstrakten Analyse erschöpfen, sondern auch die Bedingungen für Kooperation unter realen Verhandlungssituationen formulieren, bedarf es notwendigerweise auch einer Erläuterung von wichtigen Aspekten kooperativen Verhaltens.

  • Das gesellschaftsvertragliche Modell des "Schleiers des Nichtwissens" nach der Theorie der Gerechtigkeit

    [...] John Rawls entwickelt in der Theorie der Gerechtigkeit das Bild einer vollkommen gerechten Gesellschaft. Theoretischer Ausgangspunkt ist das gesellschaftsvertragliche Modell des "Schleiers des Nichtwissens" (Rawls 1979). Hierbei geht Rawls davon aus, daß diejenigen, die sich zu gesellschaftlicher Zusammenarbeit vereinigen wollen, in einem gemeinsamen Entschluß die Grundsätze wählen, nach denen Grundrechte und Pflichten sowie die Verteilung der Güter bestimmt werden. In der Theorie der Gerechtigkeit werden folgende Rahmenbedingungen aufgestellt, die den Schleier des Nichtwissens präzisieren:

    "Zu den wesentlichen Eigenschaften dieser Situation gehört, daß niemand seine Stellung in der Gesellschaft kennt, seine Klasse oder seinen Status, ebensowenig sein Los bei der Verteilung natürlicher Gaben wie Intelligenz oder Körperkraft. [...] Da sich alle in der gleichen Lage befinden und niemand Grundsätze ausdenken kann, die ihn aufgrund seiner besonderen Verhältnisse bevorzugen, sind die Grundsätze der Gerechtigkeit das Ergebnis einer fairen Übereinkunft oder Verhandlung." (Rawls 1979, 29).


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