Pluralität von Identität
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Dr. Regina Bormann
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[...] Ganz allgemein sollen die gängigen Vorstellungen von Grenzen und Identitäten grundsätzlich in Frage gestellt, zumindest einer Reflexion unterzogen werden. Hat die Städteregion Ruhr überhaupt eine "Identität", gar eine einzige, unmittelbar bestimmbare? Gelten noch die alten Ruhr-Stereotypen? Oder hat die Region viele Identitäten? Ist sie gar eine Region ohne Eigenschaften, durch die Abwesenheit von Identität geprägt? Braucht sie überhaupt eine Identität? Und was soll man überhaupt unter Identität verstehen? Diese Fragen sollen den Besuchern - und auch so manchen Städtevertretern - durch den Impulsbeitrag, die Plakatserie Region der 1000 Möglichkeiten (1,3 MB) nahegebracht werden. [...]
In der Städteregion Ruhr lassen sich - wie überall - eine Vielzahl von Grenzen identifizieren, die sich oft überschneiden oder sich überlagern. Sie beziehen sich auf verschiedene Handlungsdimensionen und -ebenen und weisen meist keine offensichtlichen Berührungspunkte auf: Rechtliche, administrative, soziale, wirtschaftliche, kognitive, planerische Grenzen und viele andere mehr. Sie alle bilden "Regionen". Sie alle haben in unterschiedlicher Weise und in unterschiedlichem Ausmaß Einfluß auf das Denken und Handeln der Menschen. [...]
Und natürlich schaffen Grenzen erst Identitäten, nämlich im Sinne von symbolischen Gemeinschaften: Die "Region", "das Ruhrgebiet", die "Städteregion", das Milieu oder das Quartier, den Lebensstil oder die "Kultur" und viele andere Gesellungsformen mehr. Sie verorten gewissermaßen Identitäten - sowohl räumlich wie auch symbolisch, indem sie festlegen, wer oder was dazugehört und wer oder was nicht. Verschiedene Grenzen definieren verschiedene Ein- und Ausschlußkriterien. Und weil sich die Menschen in der Städteregion tagtäglich durch ein komplexes Geflecht von Grenzen bewegen, die alle je eigene "Regionen" einschließen, bewegen sie sich auch durch eine Vielzahl von Identitäten. [...]
Sowohl "Region" als auch "Identität" sind kontextabhängige Begriffe, sie lösen sich in komplexer Vielheit auf, wenn man sie näher zu bestimmen versucht. Hier zeigt sich eine große Diskrepanz zwischen alltäglicher Erfahrung und wissenschaftlicher Einsicht einerseits und den Desideraten von Medien, Politik und Marketing andererseits, die meinen, nicht ohne eingängige Klischees und Stereotypisierungen auszukommen. Wie aber kann ein zukunftsfähiges Profil der Städteregion Ruhr aussehen, das nicht krampfhaft versucht, sich auf eine Identität festzulegen? Wie sollen Identitätspolitiken der künftigen Städteregion aussehen, um gegen konkurrierende Regionen zu bestehen?
- Wofür steht die Städteregion Ruhr der Zukunft?
- Wodurch unterscheidet sie sich künftig von anderen europäischen Regionen?
[weiter...]
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