Eine Sache des Framings

Dr. Regina Bormann

Ruhr 2030 [...] Bei der Frage nach "regionaler Identität" zeigt sich nämlich anhand der in der Ausstellung dargestellten Beispiele, daß es die eine, sichere, von allen (an-)erkannte Identität nicht gibt, sondern je nach Perspektive sehr viele sehr verschiedene Vorstellungen darüber, was denn eigentlich nun die Region ausmacht. Darüber hinaus wird sichtbar, daß es auch die eine, einheitliche, von allen (an-)erkannte Region nicht gibt - und übrigens auch nicht die eine, einheitliche, von allen (an-)erkannte Stadt! Dies illustriert einen weiteren Schlüsselbegriff des Vorhabens, das sogenannte "Framing". Es gibt in der Tat dominante Perspektiven - frames - auf Region und Identität, von denen manche in Beziehung zueinander stehen, andere hingegen nicht. [...]

Ruhr 2030 [Es gibt] keine einheitliche, von allen (an-)erkannte Regionalgeschichte, die sich heute zur Identitätsstiftung eignen würde. Es gibt die Geschichte der Avantgarde-Region Ruhr, die Geschichte der roten Ruhr, die Geschichte des reichsstädtischen, mittelalterlichen Kulturlands Ruhr, es gibt die Geschichte des Ruß-Lands Ruhr, die Geschichte des Einwanderungslands Ruhr, die Geschichte des sozialdemokratisch-konservativ-bornierten, aber auch des stets reformerisch orientierten Ruhrgebiets, die Geschichte einer sich permanent modernisierenden Region und die Geschichte einer Modernisierungsverliererin. In allen diesen Attributionen steckt ein Stück Wahrheit, alle sind jedoch einer bestimmten Perspektive verpflichtet. Deutlich wird, daß Pluralität und Vielschichtigkeit, daß Perspektivität und Deutungsoffenheit eine Eigenschaft aller Kategorien ist, die im Alltag so unbefangen und unbefragt die Wahrnehmung und das Handeln strukturieren - nicht nur die Wahrnehmung der Menschen im Alltagshorizont ihrer Lebenswelt, sondern auch die Wahrnehmung in kleiner und großer Politik, in Wirtschaft, in Verwaltung. [...]

Ruhr 2030 [...] Die Forschungsfrage nach den Parametern (stadt-)regionaler Identität und eines stabilen künftigen Selbstbewußtseins der Städteregion Ruhr macht es aufgrund ihrer Komplexität erforderlich, aktuelle Konzepte von "Region", "Regionalbewußtsein", "Identität" und "raumbezogener Identität" zunächst jeweils gesondert zu betrachten. Im Anschluß werden die Ergebnisse wieder zusammengeführt. Sie münden in einem kurzen Überblick über eine konstruktivistische Sichtweise raumbezogener Identitäten, aus der sich dann in Kapitel fünf die Thesen für die Region ergeben.


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