1.000 Heimaten
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Dr. Regina Bormann
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Der Begriff einer "regionalen Identität", einer Identität überhaupt, macht für die Städteregion Ruhr wenig Sinn. Er soll daher substituiert werden durch die Vorstellung einer Kultur der Differenz (oder der Transdifferenz?). Auch für Politik und Marketing wird sich die Festlegung auf eine regionale Identität bald als hinderlich erweisen. Ein allgemeines Merkmal unserer Zeit und insbesondere auch der Städteregion Ruhr sind die vielfältigen, unterschiedlichen, oft widersprüchlichen Lebensweisen und Orientierungen, Umwelten, Raumgestalten, Raumnutzungen und Raumwahrnehmungen. Die Städteregion Ruhr sollte sich daher nicht um eine "regionale Identität" bemühen, sondern gerade deren Abwesenheit betonen. Sie sollte sich als "Region der 1000 Möglichkeiten" profilieren, als eine Region nämlich, die Vielfalt grundsätzlich positiv begreift, Rahmen für Vielfalt schafft und Widersprüche und Konflikte aushält - eine reflexive und selbstreflexive Region, die sich dem individuellen pursuit of happiness verpflichtet sieht. Dies muß nicht bedeuten, dem Relativismus anheimzufallen. Statt Normen setzt die Region jedoch Spielregeln; die allerdings sind notwendig, denn auch das freie Spiel der Identitätskonstruktionen kommt nicht ganz ohne Grenze aus.
[...] Städteregionale Identität muß deshalb eine offene, eine flexible, eine einschlußfähige Identität sein, eine Identität, die Facetten zuläßt, die einladend wirkt und nicht von vorneherein soziale und kulturelle Beschränkung signalisiert. Sie muß in zwei Richtungen anschlußfähig sein: An das Alte und das Neue, die Historie und die Zukunft. Sie muß authentisch erscheinen und Traditionen interpretierend aufgreifen, sonst wirkt sie nicht plausibel. Und sie muß viele verschiedene Bevölkerungsgruppen ansprechen: Eine weitestgehend demokratische Identität, in der sich möglichst auch die Ärmeren, Älteren, bodenständig Gebliebenen wiederzufinden vermögen, die aber vor allem Gruppen anspricht, die gewohnt sind, in überlokalen, auch in internationalen Maßstäben zu denken.
Voraussetzung für die Weltoffenheit und Zukunftsfähigkeit einer Region, die sich in solch einer "Identität", in solch einem Selbstbild und in solch einem Image ausdrückt, sind allerdings bestimmte Kompetenzen: Fähigkeiten nämlich, Identitäten und Grenzen als flexibel zu begreifen; Fähigkeiten auch, über Grenzen hinweg zu denken, zu kommunizieren und manchmal auch zu handeln. Grenzen müssen als das erkannt werden, was sie sind, als Hilfsmittel zum Handeln und zur Orientierung, die den Menschen dienen sollen, aber bei Bedarf auch veränderlich sind, oft verändert werden müssen, um neue Erkenntnisse und Ergebnisse zu erzielen. [...]
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