Kulturassimilator

Can Malatacik

Ruhr 2030 Der Kulturassimilator wurde Anfang der 1960er von Fiedler, Osgood, Storulow und Triandis an der University of Illinois entwickelt, als das Office of Naval Research dem Forscherteam die Aufgabe stellte, die Interaktion in kulturell heterogenen Gruppen zu untersuchen und daraus praktische Trainingsmethoden für eine effizientere Kommunikation abzuleiten (Albert 1995, 157, Triandis 1995, 179). Trainingsprogramme wie der Kulturassimilator (engl. culture assimilator oder intercultural sensitizer (ICS)) haben zum Ziel, Menschen auf interkulturelle Settings vorzubereiten, damit sie

  • effektiver kommunizieren lernen,
  • besser mit unvermeidbaren Streßsituationen umzugehen lernen, die interkulturelle Begegnungen begleiten,
  • lernen, persönliche Beziehungen mit Menschen mit fremdkultureller Herkunft aufzubauen und zu erhalten und
  • fähig sind, die ursprüngliche Aufgabe in der neuen, ungewohnten Umgebung zu erfüllen (vgl. Cushner und Brislin 1996, 3-4).
Ruhr 2030 Der Kulturassimilator benutzt kurze Geschichten, sogenannte critical incidents, um Konflikte zwischen Individuen aus verschiedenen Kulturen aufzuzeigen (Bhawuk 2001, 143). Critical incidents sind Situationen, in denen Personen aus verschiedenen Kulturen interagieren, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Am Schluß der Geschichte ist der kulturelle Konflikt sichtbar: Der Leser kann aus einer Liste von vier Alternativen diejenige Erklärung des Problems (Attribution) auswählen, die seiner Meinung nach das Problem am besten aus der Sicht der anderen Kultur beschreibt. [...]

[...] In allen Alltagssituationen urteilen Menschen über ihre Interaktionspartner, halten diese z.B. für kompetent, naiv oder machtgierig. Die Forschung spricht in diesem Zusammenhang von Kausalattributionen (Albert 1993, 186-188). Eine Kausalattribution ist ein Urteil, das sich auf die Frage bezieht, "weshalb sich Personen auf eine bestimmte Art und Weise verhalten?". Wenn man das Verhalten anderer analysiert, ist man versucht, einer Person konstante Eigenschaften zuzuschreiben und vergißt dabei, die situativen Faktoren zu berücksichtigen. Ruhr 2030 Insbesondere bei interkulturellen Begegnungen ist die Gefahr groß, diesen Fehler zu begehen. In einem interkulturellen Setting ist die Wahrscheinlichkeit einer fehlerhaften Deutung der Situation höher, da einerseits viele Attributionen gemacht werden müssen, andererseits aber meist wenig Information über die andere Kultur vorliegen. Um zu realistischeren Attributionen zu gelangen, müssen die situativen Faktoren miteinbezogen werden. Situative Faktoren liegen außerhalb des Individuums, sie sind kein Teil seiner Persönlichkeit oder Charakterstruktur. Situative Faktoren beinhalten u.a. die Präsenz anderer Personen, die das Verhalten des Individuums beeinflussen; die Abwesenheit eines unterstützenden Systems bei Problemen oder Erfahrungen, die Personen früher im Leben machten usw. (Samovar und Porter 2000, 9-11). [...]


Gespräche über Grenzen (300 KB)


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