Thesen für Städteregion Ruhr

Dr. Regina Bormann

  • Exopolis Ruhr
    Kokerei Hansa [...] Mit seinem jüngsten Buch "Postmetropolis" versucht Soja nach seinen voraufgegangenen Dekonstruktionen so etwas wie eine Neukonstruktion von Konzepten und Begriffen. Zunächst relativiert er das griffige Suffix "Post": Der neue Urbanismus sei weder post-urban noch post-industriell, aber er folge nicht mehr gewohnten symbolischen oder funktionalen Zuordnungen. Nötig sei daher eine neue Semiotik, neue Bilder - nicht von "Stadt", sondern eben von dieser neuen urbanen oder posturbanen Siedlungsform. [...] Stadtraum, so Soja, müsse regional gedacht werden, heute, in Zukunft und auch im historischen Rückblick. Die Stadt habe immer auch Land, Wildnis, nicht-urbane Strukturen eingeschlossen, sei gar frontier-bildend, da immer in Expansion begriffen (Soja 2000, 16). Sein neues Konzept nennt Soja "synekism", eine Wortschöpfung aus dem griechischen synoikismos, der aristotelischen Bezeichnung für eine Form des Zusammenlebens wie in einem oikos, einem gemeinsamen Hausstand (Soja 2000, 12). Der Begriff bezeichnet...

    "[...] a form and process of political governance, economic development, social order, and cultural identity that involved not just one urban settlement or node but many articulated together in a multi-layered meshwork of nodal settlements or city-centered regions." (Soja 2000, 3)

    ...eine gute Beschreibung für die Städteregion Ruhr![...]

  • Stadtlandschaft Ruhr
    Kokerei Hansa [...] Dem Denken in binären Oppositionen von Stadt und Natur soll vor allem durch eine Umdefinition des Landschafts-Begriffs entgegengewirkt werden. Das Projekt spricht von der Städteregion Ruhr als Stadtlandschaft: eine eingängige, leicht verständliche Metapher, die gleichwohl eine lange Begriffsgeschichte aufweist. [...] Stadtlandschaft (-schaft bedeutet im Althochdeutschen ‚Gestalt') sollte die Verschmelzung von Natur und Kultur in der Stadt zum Ausdruck bringen, Urbanität als stets im Wandel begriffene, objektivierte und Stein gewordene kulturelle Vorstellungen definieren (Angélil und Klingmann 1999, 22). Koolhaas verwendet den Begriff "Scape©" für die wuchernde, randlose Stadt, in der die Unterscheidungen von Zentren und Peripherien, Innen und Außen, Figur und Grund aufgehoben sind (Angélil und Klingmann 1999, 18). Die Stadtlandschaft - auch der Städteregion Ruhr - ist ein...

    "[...] System in Bewegung, das durch fluide Zustände gekennzeichnet ist. Innerhalb dieses dynamischen Konglomerats verlieren Infrastruktur, Architektur und Landschaft ihre Autonomie. Die festgelegte Bedeutung ihrer begrifflichen Definition wird damit relativiert. [...Sie] ...bildet ein Territorium strategischer Möglichkeiten, in welchem die Beziehungen unterschiedlicher Strukturen immer wieder neu verhandelt werden." (Angélil und Klingmann 1999, 24)

    "Landscape bezeichnet eine historisch und sozial spezifische Konvention von Wahrnehmung, Bewertung und Interpretation einer räumlichen Konfiguration, gewissermaßen ein Bedeutungssystem, das sich an einem Raum festmacht." (Bormann 2001, 290)

    Kokerei Hansa Landscapes oder -scapes sind Repräsentationen, die freilich nicht nur symbolische Codes beinhalten, sondern auch konkrete soziale Kräfte und Praktiken. Der Begriff der Stadtlandschaft verweist zudem auf Komplexität und Perspektivität: Je nachdem, welche Akteure aus welchen Perspektiven und vor welchem Situationshintergrund die Stadtlandschaft betrachten, verändern und vervielfältigen sich die -scapes. Die Städteregion ist ein Gefüge aus Stadtlandschaften. [...]


Jenseits der Stadt (Volltext) (110 KB)

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