Posturbane Räume
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Dr. Regina Bormann
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[...] Von der Polis zur Exopolis, von der Stadt zur Stadtlandschaft, von Urbanität und Urbanismus zur "generic city" und zum "weak urbanism" oder zum Urbanismus "lite" - so etwa könnte der gegenwärtige Prozeß kategorialer Umdefinitionen in urban theory und urban anthropology, Stadtsoziologie und Architekturtheorie auf den Punkt gebracht werden. Eine wesentliche Aufgabe des Leitbildvorhabens "Städteregion Ruhr 2030" ist es, die charakteristischen Merkmale des Siedlungstyps "Städteregion" herauszuarbeiten, um darauf aufbauend [...] Visionen für ästhetisch hochwertige und funktional auf moderne Lebensweisen hin konzipierte bauliche Umwelten zu entwerfen. Dazu gilt es sich zunächst klarzumachen, daß die internationale theoretische Diskussion liebgewordene Kategorien von "Stadt", "Urbanität" und raumbezogener "Identität" - die ja nicht nur Forschungskategorien sondern zugleich Planungs- und Gestaltungsziele sind - längst für untauglich erklärt hat. Angesichts neuerer Stadtentwicklungen, wie sie zum Beispiel im Ruhrgebiet Gegenstand der Analyse sind, sind neue, auch begrifflich neue Ansätze gefragt [...].
[...] "Exopolis" ist eine Metapher für Siedlungs- und Lebensformen jenseits herkömmlicher Urbanitätsvorstellungen und außerhalb der innerstädtischen Kernzonen klassischer europäischer Stadttypen. Der gleichnamige Beitrag beschreibt die Städteregion Ruhr als einen Möglichkeitsraum. [...]
[...] Der Impulsbeitrag Exopolis (200 KB) entwirft die Städteregion Ruhr der Zukunft als einen einzigen großen Möglichkeitsraum. Er zeichnet das Bild einer Region, die die Fesseln einer dezidierten regionalen Identität abgestreift hat, um sich unbelastet durch symbolische Festlegungen dem Wandel und der Neuerung zu öffnen. Der Beitrag regt an, auf die allseits beobachtbaren und geübten Identitätspolitiken zu verzichten und sich statt dessen auf eine Politik des Möglichkeitsmanagements zu setzen. [...]
[...] Ihre [Städteregion Ruhr] Vielfalt und Widersprüchlichkeit, ihre Unübersichtlichkeit, ja Unfertigkeit wird nicht als Defizit, sondern als Chance, nicht als etwas zu Korrigierendes, sondern als Zukunftspotential gedeutet. Alle diese Eigenschaften verweisen auf den Geburtsvorgang neuer Ordnungen und Vorstellungen, deren Konturen noch unklar sind. Sie spiegeln die Unsicherheit, Spannung und den Experimentalcharakter jedes Umbruchs und sind somit Zeugnisse einer aktiven, lebendigen, sich im Aufbruch befindlichen Region. Die Städteregion Ruhr läßt sich wie ein Tableau lesen ("Neue Bilder"), in dem sich die Zukunft der Moderne abbildet, sei es nach soziologischer Kategorisierung die Zweite, sei es eine Dritte Moderne. Sie ist ein paradigmatisch-moderner Raum: nicht mehr eindeutig lesbar, ohne einheitliche Struktur, jenseits gewohnter räumlicher, sozialer, kultureller oder wirtschaftlicher Klassifikationsmuster. Sie vermißt sich nach den Parametern der Moderne: Pluralität statt Einheit, Heterogenität statt Einheitlichkeit, Hybridität statt klarer Identitäten und Grenzen, Komplexität statt Übersichtlichkeit, Brüche statt Kontinuität, Aushandlung statt Normierung. Möglichkeitsräume erzeugen daher unterschiedliche Wahrnehmungen, Deutungen und Nutzungen, sind Räume von Optionen. Als Folge davon setzen sie Prozesse permanenter kultureller, sozialer und räumlicher Rekonstitution in Gang: Es sind Räume des Wandels, des kreativen Umgangs mit neuen Anforderungen, der Transgression - Werkstätten des Neuen. [...]
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